Rede zum Haushalt 2026

Februar 4, 2026

Am 4.2.2026 fand die Debatte zum Haushalt 2026 statt. Hier findet sich die Rede des Fraktionsvorsitzenden, Dr. Patrick Bredebach, in vollem Wortlaut.

Haushaltsrede des Vorsitzenden der CDU Fraktion in der Gemeinde Wenden

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, werte Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir befinden uns am Beginn einer neuen Wahlperiode – und zugleich an einem Wendepunkt. Denn
eines hat sich grundlegend geändert: Unsere Fraktion trägt nun die maßgebliche politische Verant-
wortung. Das bedeutet Gestaltungsspielraum, aber es bedeutet vor allem Verantwortung für stabile,
tragfähige Entscheidungen.

Die Rahmenbedingungen sind dabei deutlich herausfordernder geworden. Die politischen Entschei-
dungen in der internationalen Politik werden unberechenbarer. Das Geld wird knapper, die wirt-
schaftlichen Aussichten trüben sich ein und insbesondere die mittelfristige Finanzplanung zeigt sehr
klar: Die Spielräume werden kleiner. Umso wichtiger ist es, dass wir uns ehrlich machen – und uns
konsequent auf das Wesentliche konzentrieren.

Der Haushaltsplan 2026 ist damit mehr denn je Ausdruck politischer Prioritätensetzung. Nicht alles,
was wünschenswert ist, wird künftig finanzierbar sein. Investitionen müssen sich daran messen las-
sen, ob sie unsere Gemeinde langfristig stärken, resilienter machen und zur Sicherung der Daseins-
vorsorge beitragen. Jahrelang ist es weitaus besser gewesen als gedacht: stark steigende Ausgaben –
zum großen Teil von Land und Bund über den Kreis auf uns abgewälzt – wurden durch steigende
Steuereinnahmen vor allem im Bereich der Gewerbesteuer kompensiert. Für das vergangene Jahr
2025 wird die Jahresrechnung aber erstmals nach vielen, vielen Jahren einen Verlust ausweisen, und
zwar -3,5 Mio. €. Die guten Zeiten scheinen vorbei, die Gemeinde muss bei Ihren Kernaufgaben blei-
ben und liefern!

Ein Blick auf die Zahlen des Haushaltsplans 2026 sowie der mittelfristigen Planung bis einschließlich
2029 zeigt: Die Ausgleichsrücklage wird weiter abschmelzen, von 33 Mio in 2025 bis auf 0. Im Jahr
2029 werden wir an die allgemeine Rücklage gehen müssen, diese wird um 6 Mio abschmelzen auf
81 Mio Euro. Diese Vorhersage ist nicht neu, gewinnt aber angesichts der Vielzahl großer Investiti-
onsvorhaben an Dringlichkeit. Verzögerungen bei der Umsetzung führen zwar kurzfristig zu
Entlastungen, sie verschieben die Belastungen jedoch lediglich in die Zukunft. Aufgeschoben ist eben
nicht aufgehoben.  Deshalb bleibt die Konzentration auf Pflichtaufgaben und zentrale Infrastrukturen für uns die klare
Leitlinie unseres Handelns. Aussagen wie „alles ist gleich wichtig“ helfen in dieser Situation nicht wei-
ter. Priorisieren ist kein Ausspielen – Priorisieren ist verantwortungsvolle Politik. Hier gilt es: Pflicht-
aufgaben wie Schulen und Feuerwehren gehören nach vorne gestellt. Finanziell und organisatorisch.
Wir müssen die angestoßenen Projekte konkretisieren und verlässlich werden. Wenn sich dabei her-
ausstellen sollte, dass Umplanungen noch notwendig sind, so sollten wir diese vornehmen. Das Feu-
erwehrgerätehaus Hünsborn lässt grüßen, Schulbauten könnten noch folgen. Aber dann gilt es: Man
muss sich auf die Pläne verlassen können und transparent nach außen kommunizieren.

Zu dieser zentralen Infrastruktur gehören unsere Netze. Beim Kanalnetz des Abwassers muss nun eine Ent-
scheidung herbeigeführt werden. Nicht, weil dies kurzfristig den Haushalt saniert oder ein wirtschaft-
licher Erfolg wäre – sondern weil wir langfristig ein hohes qualitatives und technisches Niveau sichern
müssen. Es gilt zu überlegen, wie wir es personell und organisatorisch schaffen, die Abwassernetze in
Zukunft zu bewirtschaften. Bei der Netzgesellschaft werden wir stärker investieren müssen, um die
stärker werdende Elektrifizierung stemmen zu können. Mit unseren Bemühungen in der Wasserver-
sorgung stellen wir sicher, dass es Auffangmöglichkeiten für WBVs gibt, wenn diese nicht mehr exis-
tieren können. Zugleich steht die Gesellschaft mit den WBVs in Kontakt, um einzelne Hilfestellungen
anbieten zu können.

Einen möglichen einmaligen wirtschaftlichen Ertrag aus einer Abgabe des Kanalnetzes gilt es klug zu
investieren. In die Infrastruktur der Gemeinde Wenden: in unsere Schulen, in unsere Feuerwehren –
aber ebenso in die kleinen, oft unterschätzten Bausteine der Lebensqualität. Dazu zählen die Kinder-
spielplätze, die wir nun nach und nach neu errichten. Sie machen unsere Ortschaften attraktiver für
Familien und sind Ausdruck einer lebendigen Gemeinde.

Ein weiteres zentrales Thema unserer Zeit ist die Resilienz – gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Der Hochwasserschutz gehört dabei klar zu den Pflichtaufgaben. Wir wissen, dass in den baulichen
Hochwasserschutz investiert werden muss. Die konkreten Kosten lassen sich derzeit noch nicht bezif-
fern. Aktuell sind im Haushalt 2026 hierfür 90.000 Euro eingestellt, um die Planungen weiter voran-
zutreiben. Es ist jedoch absehbar, dass – eventuell bereits im Jahr 2026 – deutlich größere Investitio-
nen auf uns zukommen werden. Darauf müssen wir uns politisch einstellen.

Zur Daseinsvorsorge gehört selbstverständlich auch unsere Feuerwehr. Moderne Gerätehäuser, die
den Anforderungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes entsprechen, sind kein Luxus, sondern
eine Selbstverständlichkeit. Regelmäßig ausgesprochener Dank ist nicht genug. Unsere Feuerwehr-
leute leisten ihren Dienst ehrenamtlich – und verdienen dafür gute Rahmenbedingungen. Hier zeigt
sich die Notwendigkeit einer verlässlichen Investitionsplanung.

Gleiches gilt für unsere Schulen. Als Schulträger haben wir hier klare Pflichten. Sanierungsmaßnah-
men, funktionierende Sanitäranlagen und zukunftsfähige Strukturen dulden keinen Aufschub. Kurz-
und mittelfristige Verbesserungen müssen zeitnah umgesetzt werden können. Wenn es notwendig
ist, organisatorische Änderungen in der Verwaltung vorzunehmen, dann muss dies geschehen. Die
Investitionen in den Schulen müssen nun abgearbeitet werden. Wenn die Politik einen Rahmen ge-
ben muss, um dies zu ermöglichen, so sind wir dafür bereit. Denn Schüler, Lehrer, Eltern warten –
weil Gebäude mehr sind als eine Hülle. Sie sind Gestaltungsraum. So für die Lernhausschule. Hier gilt: Eine altershomogene, übersichtliche Struktur ist nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern auch wirt-
schaftlich vernünftig. Gegenseitige Rücksichtnahme ist in überschaubaren Gruppen einfacher zu er-
reichen als in pädagogisch schwer überschaubaren Schülergruppen mit geringerem Zusammenhalt.

Beim Thema Sport und Freizeit müssen wir dagegen differenzieren. Die Zukunft des Sports in Wen-
den liegt uns am Herzen. Hier gehören die Vereinsstrukturen gestärkt. Gleichzeitig sehen wir den ge-
planten Neubau eines Schwimmbades in Wenden aufgrund des enormen Investitionsvolumens und
der dauerhaft hohen Betriebskosten weiterhin kritisch. Diese Haltung ist bekannt.

Der demografische Wandel stellt uns zusätzlich vor Herausforderungen. Eine alternde Bevölkerung
erfordert andere Schwerpunkte in Infrastruktur, Mobilität und sozialen Angeboten. Auch hier gilt:
Nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt – mit Blick auf das Machbare.

Um die Einnahmeseite der Gemeinde Wenden zu stärken, müssen wir entschlossen handeln. Wir
werden uns für die Ausweisung neuer Gewerbegebiete einsetzen. Man kann nicht dauerhaft die Ein-
nahmen beschneiden, die Ausgaben erhöhen und darauf hoffen, dass sich schon alles irgendwie aus-
geht.

Die Leichtfertigleit der letzten Jahre ist vorbei. Solide Haushaltspolitik bedeutet Ehrlichkeit, Prioritä-
tensetzung und bisweilen Mut zu unbequemen Entscheidungen. So ist die Umsetzung der angestreb-
ten Bodendeponie aus unserer Sicht eine Notwendigkeit – um eine Gerlinger Umgehung zu ermögli-
chen und auch weiterhin eine wirtschaftliche Entwicklung oder den Bau von Häusern in unserem
Kreis erst zu ermöglichen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die finanziellen Spielräume werden enger. Aber wir haben
weiterhin die Chance, gezielt in die Zukunft unserer Gemeinde zu investieren – wenn wir uns auf das
Wesentliche konzentrieren, unsere Infrastruktur stärken und Verantwortung übernehmen.
Meine Fraktion wird diesem Haushalt zustimmen, weil wir Verantwortung für stabile Verhältnisse
übernehmen wollen. Weil wir die bereits bekannten Herausforderungen und Investitionen als priori-
tär erachten, ersparen wir uns und der Verwaltung die Bearbeitung kleinteiliger Anträge. Aus meiner
Sicht ist die Haushaltsberatung wenig geeignet, immer wieder den Säckel aufzumachen. Sie ist zur
Bereinigung gedacht und nicht dazu, immer wieder zu kurz gekommene Wünsche hineinzubringen.
Das kann man auch während des Jahres machen.

Mein Dank gilt der Verwaltung, unserem Bürgermeister, dem Kämmerer und allen Mitarbeitenden
für die geleistete Arbeit und die Unterstützung in den Haushaltsberatungen.

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